MFK – Motorfahrzeugkontrolle Schweiz
Kompletter Ratgeber zur periodischen Fahrzeugprüfung
Was ist die MFK (Motorfahrzeugkontrolle)?
Die MFK (Motorfahrzeugkontrolle), auch periodische Fahrzeugprüfung oder Nachprüfung genannt, ist die obligatorische technische Kontrolle der Fahrzeuge in der Schweiz. Sie wird vom kantonalen Strassenverkehrsamt durchgeführt und dient der Gewährleistung der Verkehrssicherheit.
Diese Kontrolle überprüft den technischen Zustand des Fahrzeugs: Bremsen, Lenkung, Beleuchtung, Abgasemissionen, Bereifung und zahlreiche weitere Sicherheitspunkte.
Die «5-3-2»-Regel (PW & Motorräder)
1. Prüfung 5 Jahre nach der 1. Inverkehrsetzung (spätestens 6 Jahre), dann 3 Jahre danach, dann alle 2 Jahre.
Prüfintervalle nach Fahrzeugtyp
Gemäss Art. 33 Abs. 2 VTS (SR 741.41)
| Fahrzeugtyp | 1. Prüfung | 2. Prüfung | Danach |
|---|---|---|---|
| Personenwagen | 5 Jahre | + 3 Jahre | Alle 2 Jahre |
| Motorräder | 5 Jahre | + 3 Jahre | Alle 2 Jahre |
| Wohnmobile | 4 Jahre | + 3 Jahre | Alle 2 Jahre |
| Lastwagen (> 3,5 t, Vmax > 45 km/h) | 2 Jahre | + 2 Jahre | Jährlich |
| Gewerbliche Personentransporte (Busse, Taxis) | 1 Jahr | — | Jährlich |
| Gefahrguttransport | 1 Jahr | — | Jährlich |
| Anhänger > 0,75 t (Transport) | 5 Jahre | — | Alle 2 Jahre |
| Veteranenfahrzeuge (Code 180) | Alle 6 Jahre | ||
Ablauf der MFK
1. Aufgebot
Sie erhalten ein Schreiben des kantonalen Strassenverkehrsamts, wenn die Prüfung fällig ist.
2. Termin
Vereinbaren Sie einen Termin beim kantonalen Prüfzentrum oder bei einer zugelassenen Garage (je nach Kanton).
3. Prüfung
Bringen Sie das Fahrzeug sauber (inkl. Unterboden). Die Kontrolle dauert ca. 30 Minuten.
Prüfpunkte bei der MFK
Gemäss Art. 33 Abs. 1bis VTS — 8 Prüfkategorien
Bremsen
- Wirksamkeit der Betriebsbremse
- Hand-/Feststellbremse
- Scheiben, Beläge, Trommeln
- Schläuche und Leitungen
- Bremsflüssigkeit
Beleuchtung & Elektrik
- Scheinwerfer (Abblend-, Fernlicht, Einstellung)
- Standlicht und Rücklichter
- Blinker und Warnblinker
- Bremslichter und Rückfahrscheinwerfer
- Hupe, Scheibenwischer
Lenkung & Fahrwerk
- Spiel in der Lenkung
- Spurstangen und Gelenke
- Stossdämpfer
- Federn und Silentblöcke
- Radlager
Bereifung & Felgen
- Profiltiefe (min. 1,6 mm)
- Allgemeinzustand und Verschleiss
- Konforme Dimensionen gemäss Typenschein
- Trag- und Geschwindigkeitsindex
- Felgenzustand
Karosserie & Sicherheit
- Tragende Korrosion
- Sicherheitsgurte
- Windschutzscheibe (Risse)
- Rückspiegel
- Fahrgestellnummer und Schilder lesbar
Abgaskontrolle: Abgaswartungsdokument (AWD) vs OBD
Gemäss Art. 59a VRV (SR 741.11) und Art. 35 VTS (SR 741.41)
Abgaswartungsdokument (AWD)
Das Abgaswartungsdokument (AWD) ist ein obligatorisches Dokument für Fahrzeuge ohne anerkanntes OBD-System. Es enthält die Abgas-Sollwerte des Herstellers und die Wartungshistorie.
Wartungsintervalle:
- Benzin ohne Katalysator: alle 12 Monate
- Benzin mit Katalysator: alle 24 Monate
- Diesel (Vmax > 30 km/h): alle 24 Monate
On-Board-Diagnose (OBD)
Seit dem 1. Januar 2013 sind Fahrzeuge mit einem anerkannten OBD-System von der periodischen Abgaswartung befreit und benötigen kein AWD mehr.
Bei Aufleuchten der Motorkontrollleuchte (MIL) muss der Halter innerhalb eines Monats eine Werkstatt aufsuchen.
Bei der MFK überprüft der Experte die Funktion der MIL-Leuchte und liest den OBD-Fehlerspeicher aus.
Welches Fahrzeug braucht das AWD?
Der Emissionscode (Feld 72 des Fahrzeugausweises) bestimmt, ob Ihr Fahrzeug ein AWD benötigt oder dank OBD befreit ist:
| Emissionscode | Euro-Norm | Benzin / Gas | Diesel |
|---|---|---|---|
| B00 | Vor-Euro | AWD obligatorisch | AWD obligatorisch |
| B01 | Euro 1 | AWD obligatorisch | AWD obligatorisch |
| B02 | Euro 2 | AWD obligatorisch | AWD obligatorisch |
| B03 | Euro 3 | OBD anerkannt | AWD obligatorisch |
| B04 | Euro 4 | OBD anerkannt | OBD anerkannt |
| B5a / B5b | Euro 5 | OBD anerkannt | OBD anerkannt |
| B6a – B6d | Euro 6 | OBD anerkannt | OBD anerkannt |
Neu: Diesel-Partikelanzahlmessung (seit 2023)
Seit dem 1. Januar 2023 wird bei der MFK eine Partikelanzahlmessung (PN) für neuere Dieselfahrzeuge mit werkseitigem Partikelfilter (DPF) durchgeführt.
Betroffene Fahrzeuge:
- Diesel-Personenwagen ab Euro 5b (Code B5b und höher)
- Diesel-Nutzfahrzeuge ab Euro VI
Was wird gemessen?
Im Gegensatz zum alten Trübungstest (Schwarzrauch) misst die Partikelanzahlmessung die genaue Anzahl der Feinpartikel im Auspuff. Dieser Test ist deutlich präziser und erkennt einen defekten, durchlöcherten oder entfernten Partikelfilter zuverlässig.
Fahrzeug auf die MFK vorbereiten
Checkliste vor dem Termin
- Alle Beleuchtungen prüfen (Lichter, Blinker, Bremslichter)
- Reifenprofil kontrollieren (min. 1,6 mm)
- Flüssigkeitsstände prüfen (Öl, Bremsflüssigkeit, Scheibenwischwasser)
- Scheibenwischer und Düsen testen
- Sicherheitsgurte kontrollieren
- Hupe testen
- Professionelle Unterbodenwäsche in einer Werkstatt (nicht in der Waschanlage!)
- Fahrzeug aussen und Motorraum reinigen
Häufige Durchfallgründe
- Defekte Glühbirnen (Grund Nr. 1)
- Abgefahrene Reifen oder nicht konforme Bereifung
- Verschlissene Bremsbeläge / korrodierte Scheiben
- Gesprungene Windschutzscheibe
- Übermässiges Spiel in der Lenkung
- Nicht konforme Abgaswerte (DPF, Katalysator)
- Verschmutztes Fahrzeug (Prüfungsverweigerung)
Das Fahrzeug muss sauber vorgeführt werden, einschliesslich Unterboden und Motorraum. Ein verschmutztes Fahrzeug kann abgewiesen werden und ein neuer Termin wird erforderlich.
Lassen Sie eine professionelle Unterbodenwäsche durch einen Mechaniker durchführen — nicht bloss eine Fahrt durch die Waschanlage. Die Waschanlage reinigt nur die Oberfläche und entfernt nicht die Ablagerungen von Schmutz, Salz, Rost und Matsch unter dem Fahrzeug. Nur eine professionelle Hochdruckreinigung auf einer Hebebühne ermöglicht eine gründliche Reinigung des Unterbodens.
- Ein sauberer Unterboden ermöglicht dem Experten, den tatsächlichen Zustand von Korrosion, Bremsleitungen, Schläuchen und Unterboden zu beurteilen
- Rechnen Sie mit ca. 60 – 120 CHF für eine professionelle Unterbodenwäsche in der Werkstatt
- Keinen frischen Unterbodenschutz vor der Prüfung auftragen (das verdeckt Mängel)
Tipp: Eine regelmässige Unterbodenwäsche (1 bis 2 Mal pro Jahr, besonders nach dem Winter) verlängert auch die Lebensdauer Ihres Fahrzeugs, da die Korrosion durch Streusalz begrenzt wird.
Erforderliche Dokumente
- Fahrzeugausweis (Original)
- MFK-Aufgebot (erhaltenes Schreiben)
- Abgaswartungsdokument (AWD) — falls Emissionscode B01, B02 oder B03 Diesel (siehe Details)
- Fahrzeugschlüssel
- Vorherige MFK-Berichte
- Genehmigungszertifikate für Zubehör (Felgen, Fahrwerk, etc.)
- Konformitätsbescheinigung (COC)
- Alle fahrzeugbezogenen Dokumente (Typengenehmigung, DTC/FAKT-Berichte, etc.)
Was passiert bei einem MFK-Durchfall?
Leichte Mängel
Eine schriftliche Bestätigung der Werkstatt, die die Reparatur durchgeführt hat, genügt. Kein erneuter Besuch beim Prüfzentrum nötig. Die Werkstatt sendet die Bestätigung an das Strassenverkehrsamt.
Erhebliche Mängel
Sie erhalten einen detaillierten Bericht. Sie haben in der Regel 30 Tage für die Reparatur und müssen zur Nachkontrolle erscheinen. Je nach Kanton kann die Frist 14 Tage betragen.
Schwere Mängel
Das Fahrzeug kann sofort aus dem Verkehr gezogen werden (Schilderentzug). Es darf erst nach Reparatur und bestandener erneuter Kontrolle wieder in Verkehr gesetzt werden.
Kosten (Richtwerte)
PW / Motorrad
50 – 70 CHF
Offizielle Gebühren, variieren je nach Kanton. z.B. Zürich ~56 CHF, Aargau ~50 CHF.
Vorkontrolle (optional)
~137 CHF
Präventive Prüfung bei einem Garagisten oder beim TCS. Empfehlenswert für ältere Fahrzeuge.
Die Gebühren variieren je nach Kanton und Fahrzeugtyp. Die Nachkontrolle verursacht zusätzliche Kosten zu Ihren Lasten. Erkundigen Sie sich beim Strassenverkehrsamt Ihres Kantons.
Häufige Fragen zur MFK
Prüfen Sie Ihren Typenschein
Konsultieren Sie die offiziellen Daten Ihres Fahrzeugs zur MFK-Vorbereitung: zulässige Reifengrössen, Gewicht, zugelassene Felgen...
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